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Nachruf Fritz Wintersteller

Fritz Wintersteller wurde am 21. Oktober 1927 in Innsbruck geboren. Seine Eltern – die Mutter stammte aus Tirol, der Vater aus Guggenthal am Fuße des Nocksteins – weckten in dem Buben bald die Begeisterung für die
heimische Bergwelt. Bereits mit sechs Jahren bestieg er mit seinem Vater das erste Mal den Untersberg. Nach dem Besuch der Volksschule in Gnigl und der Hauptschule in St. Andrä, durfte er die Staatsgewerbeschule (heute HTL), Abteilung für Elektrotechnik, besuchen.
 
Bereits in den 1940er Jahren sind in seinem Tourenbuch zahlreiche Erstbesteigungen zu finden: Kleines Fieberhorn, Südostpfeiler; Großes Fieberhorn, Südverschneidung; Bratschenkopf, direkte Südwand; Zahringkogel, direkte Westwand; Hochkogel, Nordwestpfeiler und viele andere, nicht minder schwere Touren.
 
Wie viele seiner Freunde widmete er sich dem Bergrettungsdienst und übernahm 1947 die Leitung der Ortsstelle Salzburg. Mit seinen drei Brüdern Erich, Alfred und Otto und den Freunden in der Jungmannschaft unternahm er zahlreiche Bergfahrten. In diese Zeit fielen auch die Errichtung der Jungmannschaftshütte (Roßberghütte) und die vielen Touren im Tennengebirge, wie die direkte Westwand der Wiesspitze (V+).

Seit 1950 gehörte er dem Edelweißclub Salzburg an, der eine kleine Hütte im Tennengebirge besitzt. Fritz übernahm in diesem Verein die Stelle des Hüttenwartes und wurde zum Ehrenmitglied ernannt.
Durch seinen langjährigen Freund Marcus Schmuck kam er 1955 zu einer Expedition, die ihn nach Spitzbergen führte. Die Erlebnisse dieser Fahrt mit Hanns Tollner, Walter Frauenberger und Fritz Wintersteller schilderte Marcus Schmuck ausführlich in seinem Buch „Broad Peak“. So war es fast selbstverständlich, dass er für die Teilnahme an der Karakorum-Expedition 1957 des OeAV unter der Leitung von Marcus Schmuck ausgewählt wurde. Mit Hermann Buhl, dem Erstbesteiger des Nanga Parbat, und mit Kurt Diemberger war das Team komplett. Das Ziel war der 8.047 m hohe, bisher unbestiegene, Broad Peak. Marcus Schmuck kümmerte sich um die Finanzierung, Hermann Buhl um die Ausrüstung, Fritz Wintersteller stellte die Verpflegung zusammen, und Kurt Diemberger wurde als „Teamarzt“ eingeschult. Die Ausrüstung von damals ist mit der heutigen kaum vergleichbar.

Am 9. Juni standen Marcus Schmuck und Fritz Wintersteller gemeinsam als Erste am Gipfel, etwas später erreichten auch Kurt Diemberger und Hermann Buhl den Gipfel. Das Expeditionsziel, dass alle vier Bergsteiger gemeinsam den Gipfel ohne Sauerstoff und ohne Hochträger besteigen, war erreicht. Nach der erfolgreichen Bezwingung des Broad Peak gelang Marcus Schmuck und Fritz Wintersteller die Erstbesteigung eines namenlosen Siebentausenders, der später Skil Brum getauft wurde.
 
Nach der Genehmigung durch den Begleitoffizier Quader Saeed brachen die beiden am 18. Juni vom Basislager auf und erreichten bereits am nächsten Tag den Gipfel in 7.420 m Höhe. Sie hatten die gesamte Ausrüstung selbst getragen und keine Depots angelegt. Nach nur 53 Stunden befanden sie sich wieder im Basislager. Eine einmalige und erstmalige Leistung! Bisher war noch kein so hoher Berg im „Westalpenstil“ erreicht worden.
 
Durch die tragischen Ereignisse auf der Chogolisa, wo Hermann Buhl mit einer Wechte in den Tod stürzte, wurde diese Leistung bisher nicht ausreichend gewürdigt. Nach einem schlecht verheilten Beinbruch musste Fritz Wintersteller das Klettern im höchsten Schwierigkeitsgrad aufgeben. Umso mehr widmete er sich nun den Aufgaben im Alpenverein Salzburg.
 
Seit 1943 Mitglied, war er vor allem als Hüttenwart am Carl-von-Stahlhaus 40 Jahre sehr aktiv und engagiert. Für seine Verdienste um den Salzburger Alpenverein wurde er 2006 von Bürgermeister Heinz Schaden mit dem Bürgerbrief der Stadt Salzburg ausgezeichnet. Für seine bergsteigerischen Leistungen wurde ihm das Goldene Sportabzeichen der Republik verliehen.
 
Am 15.9.2018, einen Monat vor seinem 91. Geburtstag, verstarb Fritz Wintersteller im Altersheim Hellbrunn.
 
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