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Das war das "Lawinen-update 2020"

Am 08. Januar fand im Audimax der Nawi Salzburg das jährliche Lawinen update des Österreichischen Alpenvereins statt. Rund 300 Interessierte folgten dem – im wahrsten Sinn des Wortes – mitreißenden Vortrag von Michael Larcher, dem Leiter der Abteilung Bergsport des ÖAVs in Innsbruck. Gastgeber war der Alpenverein Salzburg.
 
Das Element „Schnee“ ist für den Tourengeher, den Freerider und den Schneeschuhwanderer so unverzichtbar wie das Wasser für den Fisch, seine Eigenschaften sind aber nur teilweise berechen- bzw. vorhersehbar. Kein Bergsportbegeisterter weiß vor einer Tour zu 100 %, ob sie zur Tortur oder zum Genuss wird. Immer aber ist eine Tour im winterlichen Gelände mit einem gewissen Risiko verbunden, das es zu minimieren gilt. Das fängt mit der Auswahl des Zieles an, läuft über die aktuellen Verhältnisse und die Ausrüstung bis hin zur persönlichen, körperlichen Konstitution.

Michael Larcher prangert in seinem Vortrag zum Thema Lawine keinen Verunglückten an. Er urteilt und wertet nicht. Er analysiert, erklärt und berät. Auf charismatische Weise führt der Tiroler Alpinreferent und Bergführer sein Publikum durch die schneetechnischen Gegebenheiten des vergangenen Winters, der vielerorts in den Alpen kein einfacher war. Er verdeutlicht anschaulich, wie es zu den 20 Lawinentoten im letzten Jahr in Österreich kommen konnte und lässt seine Zuhörer mittels SMS-Voting vor Ort Fragen beantworten, die das eigene Bewusstsein im Umgang mit Schnee in seiner gefährlichen Form schärfen sollen. Dabei versäumt es Larcher nicht, vor der Überheblichkeit des vermeintlichen Experten zu warnen. Er betont, wie wichtig es auch heute in Zeiten des Internets noch ist, eine einfache Karte mit Höhenlinien lesen zu können. Der „Totgeile Dreier“ (Zitat des Lawinenpapstes Werner Munter), bestehend aus Lawinenwarnstufe 3, einer Hangneigung um die 40° sowie einer nordseitigen Ausrichtung, kommt ebenso zur Sprache, wie Schwachstellen im Gelände und mögliche Auslöser. Besonders hilfreich fand das Publikum Larchers Tipps im Umgang mit den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen des alpinen Wintersportlers: dem LVS-Gerät, der Schaufel und der Sonde, dem Airbag-Rucksack, dem Avalung-Atemgerät sowie der einfachen Rettungsfolie und dem Biwak-Sack.

Das Lawinenunglück selbst lässt sich nicht verhindern, es ist oftmals ein spontanes und jederzeit natürliches Ereignis. Jedoch lassen sich Tote, Verletzte und Auslöser durch richtiges Verhalten so gering wie nur möglich halten. Die Tendenz der vergangenen Jahre spricht dafür. Nicht zuletzt tragen Vorträge, wie jene von Michael Larcher dazu bei, dass der Mensch im alpinen Gelände die Risiken für sich und seine Umwelt minimiert, dass er ohne Schaden zu erleiden klüger agiert, denn ein Lernen nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum ist in Sachen Lawinen nicht möglich.

Wer im Winter die Wege ins Freie sucht ist ein permanenter Wetter- und Schneebeobachter und das nicht nur während der Tour, sondern bereits Tage davor. Bei der Vorbereitung gilt es Rückschlüsse auf die Bedingungen zu ziehen, die eine Vorauswahl des Zieles beeinflussen. Auf der Tour selbst spielt ferner das Gelände eine große Rolle. Es ist wegen der zu erwartenden Länge und Schwierigkeit, der Schneeart und nicht zuletzt der herrschenden Lawinengefahr zu berücksichtigen. „Das Können ist des Dürfens Maß“, mit diesem Zitat der österreichischen Alpin-Legende Paul Preuß hat Roland Kals, der Vorsitzende des Alpenvereins Salzburg, seine Begrüßung zu Larchers Vortrag begonnen und es soll jedem Bergsportler Sommer wie Winter ein treuer Begleiter sein.

Text: Harald Wieser
Fotos: Robert Delleske
 
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