Bergsteigerdörfer
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Vom Rauhen Kamm bis in tiefste Gräben

Nach drei Stunden Autofahrt erreichen wir den Parkplatz in Trübenbach auf der Nordseite des Naturparks Ötscher-Tormäuer. Nach der Begrüßung der Autoinsassen des zweiten PKWs auf Covid-19-Distanz, werden rasch die Schuhe geschnürt und die Rucksäcke geschultert. Wir haben schließlich noch eine lange Wegstrecke und mehr als 1.500 Höhenmeter vor uns.

Der erste Teil des Anstiegs führt und über eine Forststraße. Keine Wegweiser und keine Markierung erleichtern uns die Wegfindung. Nach Abstechern links und rechts des Weges finden wir die richtige Abzweigung. Steil führt uns der Weg zum Sattel oberhalb der Bärenlacken. Über den Bergrücken steigen wir hoch zum Rauhen Kamm. Im steilen, felsigen Gelände übt das Bundesheer mit einem Hubschrauber, dessen Lärm uns schon den ganzen Anstieg ohne ersichtlichen Grund begleitet hat. Einmal links, einmal rechts und dann wieder direkt über den Grat gewinnen wir auf dem Rauhen Kamm Höhenmeter Richtung Ötscher, 1.893 m. Viele Bohrhacken finden sich am Kamm und zeugen davon, dass Bergführer auch ungeübte Geher auf diesen Gipfel schleppen. Eine Stelle ist mit Eisenbügel abgesichert und erleichtert so die Bewältigung dieser anspruchsvollen Passage. Und wir trauen unseren Augen nicht: Ein Bergsteiger trägt in diesem Gelände, das einigen von uns den Einsatz von beiden Händen bei voller Konzentration abverlangt, ein kleines Mädchen auf seinen Schultern! Wir schütteln ob dieser Leichtsinnigkeit nur den Kopf!

Der Gipfel empfängt uns mit frischem Wind und lässt uns nur kurz ausharren. Nach einer Stunde Abstieg erreichen wir das Ötscherhaus auf 1.418 m. Der Sonnenuntergang fasziniert uns – für die Wirtsleute fast ein alltägliches Schauspiel.

Am nächsten Tag erreichen wir über den Riffelsattel und das ehemalige Gasthaus Spielbichler die Ötschergräben, den „Grand Canyon Österreichs“. Entlang des Ötscherbaches geht es teilweise auf Wegen mit Seilsicherung durch Felswände vorbei am Schleierfall und Mirafall. War unsere Tour mit Ausnahme des Abstiegs vom Ötscher zum Ötscherhaus relativ einsam, kam jetzt starker Gegenverkehr und starke Besucherfrequenz auf. Die Schlucht führt uns an der Jausenstation Ötscherhias weiter bachabwärts und wir bewundern die kleinen Wasserfälle, die Gumpen, das türkisfarbene, klare Wasser, die ausgesetzten Wege, die Steiganlage, usw. Nach Erreichen des Kraftwerks Wienerbruck wird es wieder ruhiger. Die Hinteren Tormäuer entlang der Erlauf führen uns zum Erlaufboden und zurück nach Trübenbach.

Kaum kommen wir nach verdienter Labung im Gastgarten der „Alten Schule“ zum Auto, fallen auch schon die ersten Regentropfen. Glück gehabt mit dem Wetter und vor allem auch mit dieser sehr schönen und lohnenden Tour über den Ötscher und durch die Ötschergräben.
 
Bericht und Bilder: Franz Pühringer
 
 
 
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